Newsletter August

Gemeinsam wachsen: Wie starke Strukturen Kinder stärken

Nach den Sommerferien beginnt für viele Kinder und Jugendliche wieder ein Alltag mit Schule, Terminen, Aufgaben und Erwartungen. Gerade Übergänge machen sichtbar, wie wichtig verlässliche Strukturen sind. Sie geben Orientierung und schaffen einen Rahmen, in dem Entwicklung möglich wird.

Bei LeoBE verbinden wir deshalb ein familienähnliches Lebensumfeld mit professionellen pädagogischen Strukturen. Kinder und Jugendliche mit belasteten Biografien brauchen nicht einfach möglichst viele Regeln. Sie brauchen Menschen, Beziehungen und Abläufe, auf die sie sich verlassen können.

Struktur schafft Sicherheit

Der Schweizer Kinderarzt und Entwicklungsforscher Remo H. Largo hat über Jahrzehnte die Entwicklung von Kindern untersucht. Ein zentraler Gedanke seines Fit Prinzips ist, dass Entwicklung dann besonders gut gelingt, wenn die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten eines Kindes mit seiner Umwelt möglichst gut übereinstimmen.

Largo betont dabei die Bedeutung von Geborgenheit. Sie ist für ihn eine Grundvoraussetzung für kindliches Wohlbefinden und ein gutes Selbstwertgefühl.

Für unsere pädagogische Arbeit bedeutet dies: Nicht das Kind muss möglichst gut in eine vorgegebene Struktur passen. Die Struktur muss so gestaltet sein, dass sie dem Kind Halt gibt und gleichzeitig seiner individuellen Entwicklung Raum lässt.

Das können ganz alltägliche Dinge sein: gemeinsame Mahlzeiten, wiederkehrende Tagesabläufe, klare Abmachungen, verlässliche Bezugspersonen oder ein vertrautes Abendritual. Gerade für Kinder, die in ihrem bisherigen Leben Unsicherheit oder häufige Veränderungen erlebt haben, können solche unscheinbaren Konstanten eine grosse Bedeutung bekommen.

Dabei sind Struktur und Selbstbestimmung keine Gegensätze. Ein verlässlicher Rahmen kann vielmehr die Voraussetzung dafür schaffen, dass Kinder zunehmend Verantwortung übernehmen und eigene Entscheidungen treffen können.

Aus dem pädagogischen Alltag

Eine Fachperson beschreibt es so:

«Wir erleben immer wieder, dass Kinder nicht die grosse pädagogische Intervention brauchen. Oft sind es die kleinen Dinge, die Sicherheit schaffen: zu wissen, wer am Abend da ist, wann gemeinsam gegessen wird oder dass eine Abmachung auch morgen noch gilt. Aus dieser Verlässlichkeit entsteht Vertrauen. Und mit wachsendem Vertrauen können wir den Kindern auch mehr Verantwortung übertragen.»

Genau darin liegt für uns die Stärke familienstrukturierter Pädagogik: Alltag, Beziehung und professionelle Pädagogik werden miteinander verbunden. Das Ziel ist nicht, Familie zu ersetzen. Wir möchten einen Lebensort schaffen, an dem Kinder Geborgenheit und Zugehörigkeit erfahren und gleichzeitig fachlich begleitet und individuell gefördert werden.

Oder mit einem Gedanken von Remo Largo: «Jedes Kind will sich angenommen und geborgen fühlen.»

Welche Rituale geben bei Ihnen Halt?

Strukturen entstehen überall dort, wo Menschen miteinander leben und arbeiten. Vielleicht gibt es auch in Ihrer Familie, Schule, Institution oder Wohngruppe ein kleines Ritual, auf das niemand verzichten möchte.

Welche Rituale oder wiederkehrenden Strukturen geben den Kindern und Jugendlichen bei Ihnen Orientierung und Sicherheit?

Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns. Wir möchten daraus eine Sammlung von Ideen und Anregungen erstellen und auf der LeoBE Website zugänglich machen.

Denn starke Strukturen sollen Kinder nicht einengen. Sie sollen ihnen den sicheren Rahmen geben, aus dem heraus sie wachsen, ausprobieren und zunehmend ihren eigenen Weg gehen können.

Quellen

Remo H. Largo: Fit Prinzip. Das Konzept beschreibt das Zusammenspiel zwischen den individuellen Bedürfnissen und Kompetenzen eines Menschen und seiner Umwelt.

Universität Zürich: Individuelle Erziehung für einzigartige Kinder, Interview mit Prof. Dr. Remo H. Largo, 24. November 2005.

Universität Zürich: Geborgen schläft sich's am besten, 2006. Darstellung des Zürcher Fit Konzepts und der Bedeutung von Geborgenheit für Wohlbefinden und Selbstwertgefühl.

Newsletter Juli

Ein sicherer Start: Tipps für Übergänge im neuen Schuljahr

Mit dem Beginn eines neuen Schuljahres stehen viele Kinder und Jugendliche vor Veränderungen: Ein Klassenwechsel, neue Lehrpersonen, neue Mitschülerinnen und Mitschüler oder sogar der Eintritt in eine neue Schule bringen Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich. Übergänge gehören zu den wichtigen Entwicklungsschritten im Leben von Kindern und können unterschiedliche Gefühle auslösen – von Vorfreude und Neugier bis hin zu Unsicherheit oder Sorge.

Als Erwachsene können wir Kinder dabei unterstützen, diese Veränderungen erfolgreich zu meistern und ihnen Sicherheit zu geben.

Warum Übergänge so wichtig sind

Übergänge bedeuten, sich auf neue Situationen einzustellen und bisher Vertrautes loszulassen. Sie fördern die persönliche Entwicklung, stärken die Selbstständigkeit und helfen Kindern, neue Kompetenzen aufzubauen. Gleichzeitig benötigen Kinder in dieser Phase besonders viel Orientierung und emotionale Unterstützung.

Tipps für Eltern und Bezugspersonen

1. Gefühle ernst nehmen

Kinder reagieren unterschiedlich auf Veränderungen. Manche freuen sich auf das Neue, andere zeigen Unsicherheit oder Ängste. Hören Sie aufmerksam zu und signalisieren Sie Ihrem Kind, dass alle Gefühle erlaubt sind. Verständnis und Geduld schaffen Vertrauen.

2. Positive Erwartungen fördern

Sprechen Sie über die Chancen des neuen Schuljahres: neue Freundschaften, spannende Lerninhalte oder interessante Projekte. Eine positive Grundhaltung kann Kindern helfen, dem Neuen offen zu begegnen.

3. Strukturen schaffen

Ein geregelter Tagesablauf gibt Sicherheit. Bereits einige Tage vor Schulbeginn können feste Schlafenszeiten, gemeinsame Morgenroutinen und die Vorbereitung der Schulmaterialien helfen, einen entspannten Start zu ermöglichen.

4. Selbstständigkeit stärken

Übergänge bieten eine gute Gelegenheit, Kinder in ihrer Eigenverantwortung zu fördern. Kleine Aufgaben wie das Packen der Schultasche oder die Organisation der Hausaufgaben stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

5. Zeit für Gespräche einplanen

Gerade in den ersten Schulwochen ist es hilfreich, regelmäßig nachzufragen, wie es in der Schule läuft. Offene Gespräche ermöglichen es Kindern, Erlebnisse zu teilen und mögliche Schwierigkeiten früh anzusprechen.

Die Rolle der Schule

Auch Schulen tragen wesentlich zu gelungenen Übergängen bei. Klare Strukturen, verlässliche Bezugspersonen und eine wertschätzende Willkommenskultur helfen Kindern, sich schnell einzuleben. Ein guter Austausch zwischen Elternhaus und Schule schafft zusätzliche Sicherheit und fördert eine positive Entwicklung.

Gemeinsam ins neue Schuljahr

Ein gelungener Übergang entsteht dann, wenn Kinder sich begleitet, verstanden und ermutigt fühlen. Mit Vertrauen, Geduld und gegenseitiger Unterstützung können Schwierigkeiten leichter bewältigt und neue Chancen genutzt werden. So wird das neue Schuljahr zu einem positiven Neuanfang, der Lernen, Wachstum und Gemeinschaft ermöglicht.

Newsletter Juni 2026

Ferienzeit: So bleibt die Bindung stark

Die Ferienzeit bringt Abwechslung, neue Erlebnisse und oft auch veränderte Tagesabläufe mit sich. Für Kinder sind Ferien eine wertvolle Gelegenheit, Beziehungen zu vertiefen und Sicherheit in vertrauten Gemeinschaften zu erleben. Gleichzeitig können fehlende Routinen und Übergänge Unsicherheiten auslösen, besonders bei Kindern mit belastenden Lebensgeschichten. Der Schweizer Kinderarzt und Entwicklungsforscher Jean Piaget betonte, dass Kinder ihre Welt aktiv durch Erfahrungen und Beziehungen erschliessen. Gerade in den Ferien entstehen viele solcher Lernmomente: beim gemeinsamen Kochen, Spielen, Wandern oder bei Gesprächen am Abend. Auch der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi hob hervor, dass Bildung und Entwicklung immer über «Kopf, Herz und Hand» geschehen. Kinder benötigen nicht nur Förderung ihres Denkens, sondern ebenso emotionale Nähe und gemeinsame praktische Erfahrungen. Aus heutiger bindungspädagogischer Sicht wissen wir: Kinder brauchen keine perfekt geplanten Ferien. Viel wichtiger sind verlässliche Bezugspersonen, gemeinsame Rituale und echtes Interesse an ihrer Lebenswelt. Ein gemeinsames Frühstück, ein täglicher Spaziergang oder ein Abendritual vermitteln Orientierung und Zugehörigkeit. Bei LeoBE erleben wir immer wieder, wie gerade kleine, beständige Momente eine grosse Wirkung entfalten. Kinder gewinnen Vertrauen, wenn Erwachsene präsent sind, zuhören und Zeit mit ihnen verbringen. So entstehen Beziehungen, die auch über schwierige Lebensphasen hinweg tragen. Denn starke Bindungen sind das Fundament für Entwicklung, Selbstvertrauen und eine positive Zukunft.

Newsletter Mai 2026

Familienrituale, die den Alltag erleichtern

Warum geben manche Familien ihren Kindern selbst in turbulenten Zeiten das Gefühl von Sicherheit, Nähe und Verlässlichkeit? Häufig liegt es nicht an perfekten Lösungen oder einem stressfreien Alltag, sondern an kleinen, wiederkehrenden Ritualen, die Orientierung geben und Beziehungen stärken.

Ein gemeinsames Abendessen, ein kurzer Austausch vor dem Schlafengehen oder feste Abläufe am Morgen wirken manchmal unscheinbar und haben doch eine grosse Wirkung auf Kinder und Jugendliche. Rituale schaffen Sicherheit, stärken Beziehungen und helfen Kindern, sich im Alltag besser zu orientieren.

Der Schweizer Kinderarzt und Entwicklungsforscher Remo Largo betonte immer wieder, dass Kinder keine perfekten Bedingungen brauchen, sondern Menschen und ein Umfeld, die ihnen Sicherheit und Verlässlichkeit vermitteln. Gerade Rituale helfen Kindern dabei, ihren Alltag vorhersehbar und verständlich zu erleben.

Auch die Schweizer Sozialpädagogin Kitty Cassée beschreibt im kompetenzorientierten Ansatz, wie stark Kinder durch wiederkehrende Alltagserfahrungen geprägt werden. Entwicklung geschieht aus ihrer Sicht nicht nur in besonderen Fördermomenten, sondern mitten im gemeinsamen Alltag. Wenn Abläufe vertraut sind und Beziehungen verlässlich bleiben, erleben Kinder Orientierung, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit.

In eine ähnliche Richtung weist auch die Traumapädagogin Imelda Wymann. Sie beschreibt, wie wichtig konstante Beziehungen und vorhersehbare Abläufe für die innere Sicherheit von Kindern sind. Gerade belastete Kinder profitieren davon, wenn der Alltag nicht ständig neu ausgehandelt werden muss, sondern durch kleine Rituale Ruhe, Stabilität und Vertrauen entstehen können.

Typische Familienrituale können sein:

• gemeinsames Essen ohne Ablenkung
• ein kurzer Tagesrückblick am Abend
• feste Schlafenszeiten
• ein Wochenritual am Sonntagabend
• gemeinsames Beten oder ein Segenswort
• kleine Traditionen an Geburtstagen oder Feiertagen

Solche Rituale entlasten nicht nur Kinder, sondern oft auch den Familienalltag selbst. Weniger Diskussionen, mehr Orientierung und eine stärkere emotionale Verbindung können daraus entstehen.

Auch bei LeoBE erleben wir immer wieder, wie wichtig verlässliche Beziehungen und konstante Strukturen für Kinder und Jugendliche sind. Gerade kleine, wiederkehrende Alltagserfahrungen können helfen, Sicherheit, Zugehörigkeit und Vertrauen wachsen zu lassen.